Sparkassensaal - Barockes Ambiente für Zeitgemäße Events

GESCHICHTE, DIE BEWEGT

Ignatius von Loyola
Ignatius von Loyola, Mitbegründer und Gestalter des Jesuitenordens

JESUITENKOLLEG UND GYMNASIUM (1666 - 1773)

Es gab natürlich schon vorher bei den männlichen Orden in Wiener Neustadt Lateinschulen, etwa bei den Zisterziensern im Neukloster oder den Paulinern neben der Burg. Jedoch wurde diese Ausbildung für ein späteres Studium an einer Universität als zu gering erachtet. Die Schüler mussten auf Gymnasien nach Krems, Horn oder sogar Graz ausweichen. >> weiter


VOM JESUITENKLOSTER ZUM INDUSTRIESTANDORT

Die Aufhebung der Klöster gab der Industrie in Wiener Neustadt am Ende des 18. Jahrhunderts einen immensen Auftrieb. Die Hallen der entweihten Kirchen waren es nämlich, die den Fabrikseinrichtungen im Textilbereich neuen Raum gaben. >> weiter


DER ERWERB DURCH DIE WIENER NEUSTÄDTER SPARKASSE

Schon seit dem Jahre 1863 hatte die Wiener Neustädter Sparkasse Räume im ehemaligen Jesuitenkolleg in der Neunkirchner Straße gemietet. Als der gesamte nunmehr im Besitz der Frau Josefine Spielmann befindliche Gebäudekomplex – die einstige Jesuitenkirche inbegriffen – im Jahre 1892 zum Verkauf angeboten wurde, entschloss sich die Sparkasse, diesen Kauf zu tätigen. >> weiter


UNVERGESSENE BALLNÄCHTE

Natürlich wurde dieser neue Festsaal von der Wiener Neustädter Bevölkerung durchaus freudvoll begrüßt und bald auch lebhaft frequentiert. Viele Veranstaltungen in festlichem Rahmen haben seither stattgefunden und in den letzten 100 Jahren war auch der Saal dabei gesellschaftlicher Mittel- und Höhepunkt. >> weiter



Erzherzog Leopold Wilhelm
Erzherzog Leopold Wilhelm

DIE GRÜNDUNG DES JESUITENKOLLEGS


Erzherzog Leopold Wilhelm, Sohn Kaiser Ferdinand des II., wurde 1614 in Wiener Neustadt geboren und hier erzogen. Nach einer beispiellosen Karriere als Hochmeister des Deutschen Ordens und als späterer Bischof von Halberstadt, Straßburg, Passau und Olmütz sowie als Statthalter der Spanischen Niederlande, wollte er sich seiner Vaterstadt ganz im Sinne der Gegenreformation durch Gründung eines Jesuitenkollegs mit angeschlossenem Gymnasium dankbar erweisen. Nach dem Tode des Erzherzogs 1662 übernahm Kaiser Leopold I. höchstpersönlich die Testamentsausführung: Die riesige Summe von 50.000 Gulden war für die Gründung und zum Unterhalt eines Jesuitenkollegs vorgesehen.1665 stimmte der Stadtrat von Wiener Neustadt diesem Begehren zu, am 16. Jänner 1666 erfolgte das kaiserliche „Placet“. Durch das großzügige Vermächtnis Erzherzog Leopold Wilhelms konnte man es sich leisten, in der vornehmsten und teuersten Wohngegend der Stadt - zwischen Kesslergasse 18 und Neunkirchner Straße 17-19 - fünf Häuser käuflich zu erwerben und alsbald mit dem Bau des Klosters und der Kirche zu beginnen. Für die Errichtung dieser Gebäude stellte der Kaiser unentgeltlich Holz aus den Wäldern der Burg zur Verfügung, überdies brauchte das neue Kolleg keinerlei Zoll - und Mautabgaben entrichten.

DAS JESUITENGYMNASIUM


Unter dem aus Bayern stammenden neuen Bischof von Wiener Neustadt Laurentius Aidinger – er war Domherr und Propst zu St. Stephan und Rektor der Universität Wien – wurde im November 1666 der Unterricht im neuen Jesuitengymnasium in der Neunkirchner Straße 19 aufgenommen. Zu Beginn gab es vier sogenannte „Grammatikalklassen“, kurze Zeit später eine fünfte Klasse „Poesie“, bald darauf die sechste Klasse „Rhetorik“. Dieses sechsklassige Gymnasium bestand bis 1852 und war eine geeignete Institution für ein späteres Hochschulstudium. Viele Schüler aus Niederösterreich speziell aus Wiener Neustadt, aber auch aus der Steiermark, Ungarn und vor allem der Slowakei, wurden hier erzogen und bekleideten später hohe Ämter in ihren Heimatorten und im Staat.

AUS DEM SCHULLEBEN


Das Gymnasium bot Platz für 160 Schüler. Religion, Latein, Griechisch, Deutsch, Mathematik, Geschichte, Geographie, Physik, Chorgesang und Gymnastische Übungen waren verpflichtend. Die Noten: Sehr gut mit Prämie - Sehr gut – Gut - Teilgenommen. Erreichte man in der Hälfte der Fächer kein Gut, wurde der Schüler in eine niedrigere Klasse zurückversetzt oder ganz aus der Schule entlassen. Dieses „Prämien-Wesen“ (Sehr gut mit Prämie) bildete einen kräftigen Ansporn für das Lernen in und nach der Schule. Es war eine Art Stipendium, gesponsert von Adeligen, dem Neustädter Bischof, vom Abt des Neuklosters und wohlhabenden Bürgern der Stadt. Gymnasiasten brauchten kein Schulgeld zu entrichten, auswärtige Schüler mussten jedoch das Geld für Essen und Quartier selbst aufbringen. Die Hausordnung war überaus streng, auch außerhalb der Schule wurde auf gutes Benehmen besonders geachtet. Neumodische Kleidung, Umherschwärmen in der Nacht oder gar Trunkenheit wurde schwer geahndet: Ermahnung durch den Klassenlehrer, durch den Rektor, Rutenstreiche durch sogenannte Korrektoren - das waren ältere Schüler -, Karzer mit 1 bis 3 Tage Haft bei Wasser und Brot bis hin zum Ausschluss aus der Schule!

ERWÄHNENSWERTES


Außerhalb der Schulzeit widmete man sich eifrig dem Theaterspielen. Klassische Stücke zB von Shakespeare wurden geprobt und es kam zu insgesamt 55 Theateraufführungen auf verschiedenen Schauplätzen der Stadt. Das Türkenjahr 1683 störte den Schulbetrieb kaum, eine schwere Zäsur bildete jedoch die Pestepidemie, die im Jahre 1717 unsere Stadt heimsuchte und fünf Schülern das Leben kostete. Auch das schwere Erdbeben vom 27. Februar 1768, das viele Gebäude der Stadt zerstörte, verursachte schwere Schäden am Gymnasium und der Kirche. Für viele Wochen war damals an Unterricht nicht zu denken.

DIE AUFHEBUNG DES ORDENS


Mit der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wollten Maria Theresia und Joseph II. die barocke Vorherrschaft der katholischen Kirche brechen und in eine Art staatliche Obhut bringen. Auch in Wiener Neustadt kam es zur Schließung von Kolleg und Gymnasium. Die Mönche siedelten ab oder verdingten sich zum Teil als Privatlehrer ihren Unterhalt. Die Gelder und Stiftungen der Jesuiten kamen in staatliche Verwaltung, Gebäude und Kirche wurden den Paulinern übertragen. Nach Aufhebung des Pauliner-Ordens 1783 wurde die Kirche durch ein kaiserliches Dekret entweiht und profanen Zwecken zugeführt. Mehr als 30 Jahre musste die Stadt nun ohne höhere Schule auskommen. Erst unter Kaiser Franz II. konnte das aufgelassene Gymnasium reaktiviert werden und fand ab 1804 im Zisterzienserstift Neukloster eine neue Wirkungsstätte.

DIE ENTWICKLUNG DER TEXTILINDUSTRIE IN WIENER NEUSTADT


Der Unternehmer Franz Andrä, einer der Pioniere der hiesigen Textilindustrie, gründete im ehemaligen Karmeliterkloster die „Erbländisch privilegierte Samt- und Seidenfabrik“, bald darauf fusioniert mit der „Samt- und Florettbänderfabrik“ des Carl Friedrich Bräunlich. Zunächst florierte das Unternehmen, die Zahl der dort beschäftigten Arbeiter stieg innerhalb eines Jahres von 60 auf 250. Doch bald darauf stagnierte die Produktion von Seidenwaren und der Erbe Carl Friedrich Bräunlich betrieb hierauf zusammen mit dem Fabrikanten Odersky in Felixdorf eine Baumwollgarnspinnerei.

VOM KLOSTER ZUR FABRIK


Für die dem Pauliner-Orden überlassene ehemalige Jesuitenkirche in der Neunkirchner Straße, die zuletzt als Lager diente, interessierten sich auch andere Wirtschaftstreibende der Textilindustrie. Als Strohmann für die Firma des Grafen Moritz von Fries fungierte der Seidenfabrikant Markus Hengel, der den Gebäudekomplex 1786/87 um 6.000,- Gulden erwarb. Bald darauf schien als neuer Eigentümer das Handelshaus des Grafen Fries auf. Sehr zum Ärger von Andrä errichtete Fries in seinem neuen Besitz ebenfalls eine Seidenfabrik, die allerdings nur bis zum Jahre 1795 ertragreich florierte. Daher wurde das Gebäude an den Glaserer Anton Wetzstein veräußert. Schlussendlich gelangte es 1798 in das Eigentum des Christoph Ritter von Andrä, dessen Vater Franz Andrä im ehemaligen Karmeliterkloster so erfolgreich tätig war.

Christoph Andreae
Kommerzienrat Christoph Andreae

WIRTSCHAFTLICHER AUFSCHWUNG


Christoph Andrä begann alsbald mit der Produktion von „Samt-, Roll- und Pfundgallonen“ (sogenannte Tressen). Diese in ganz Österreich führende hochmoderne Technik auf Schubstühlen beschäftigte 700 Arbeiter, vornehmlich Frauen, aber auch Kinder (letztere waren meist Waisen- und Soldatenkinder). In der Folge erweiterte Andrä sein Unternehmen von Jahr zu Jahr. Dabei erwies sich der Fabriksherr auch als Wohltäter und aufgeschlossener Unternehmer. Er sorgte für korrekte Entlohnung und gesunde Wohnverhältnisse seiner Arbeiterschaft. Erst beinahe 100 Jahre später wurde der im Kirchentrakt etablierte Fabriksbetrieb 1892 eingestellt.

DIE GRÜNDUNG DER WIENER NEUSTÄDTER SPARKASSE


Schon 1840 hatte sich abgezeichnet, dass die seit 1827 bestehende Kommandite der Erste österreichische Spar-Casse ihren Betrieb einstellen würde. Daraufhin regte deren Ehrenkurator, Wilhelm von Sonnleithner, die Gründung einer eigenen Sparkasse an. Die entscheidende Frage war, ob als Gründer die Stadtgemeinde oder ein Verein von Wohltätern das erforderliche Gründungskapital aufbringen sollte. 1858 einigte man sich auf einen Gründerverein. Die 67 Personen dieses Komitees hatten den Großteil des Gründungskapitals von 6.680 Gulden (das entspricht heute ca. 68.000 Euro) der Sparkasse geschenkt. Die Gründer waren Adelige, Unternehmer, Rechtsanwälte und Geistliche.In den Statuten kann man den Gründungszweck nachlesen: „Die Sparkasse zu Wiener Neustadt hat den Zweck, dem Publikum im allgemeinen, und insbesondere dem minderbemittelten Theile desselben die Gelegenheit zur sicheren Aufbewahrung, Verzinsung und allmählichen Vermehrung kleiner Ersparnisse darzubieten, und hiedurch den Geist der Arbeitsamkeit zu wecken, und zu erhalten.“ Der Gründungswahlspruch des Vereines war ein Ausdruck der Hoffnung und des Glaubens: „Aller Segen kommt von Oben.“ Der offizielle Gründungstag war der 25. März 1860, die Eröffnung des Geschäftsbetriebes erfolgte am 1. Juli durch den Vereinsvorsteher Alexander Ritter von Boschan.

Hauptplatz_Wiener_Neustadt,_2._Haelfte_des_19._Jahrhunderts Neunkirchner_Strasse,_2._Haelfte_des_19._Jahrhunderts

DIE ERSTEN SPARKASSEN-JAHRE


In den ersten Jahren amtierte die Sparkasse in Räumlichkeiten des Rathauses am Hauptplatz. 1863 mietete sie einige Räume in der heutigen Neunkirchner Straße 17, das damals den Namen „Spielmann'sche Häuser“ trug. Eine Sparkasse der damaligen Zeit hatte nicht viel mit einem heutigen Geldinstitut gemeinsam. Alle Abwicklungen mussten händisch erledigt werden. Das Amtslokal war – ähnlich einer Behörde – nur an den Markttagen Mittwoch und Samstag geöffnet. Erst 1871 beschloss man, an allen Wochentagen und auch am Wochenende vormittags offenzuhalten. Die Spareinlagen betrugen Ende 1860 über 72.000 Gulden (hochgerechnet ca. 750.000 Euro) und überschritten nach zehn Jahren die 2-Millionen-Gulden-Marke (heute 20,1 Mio. Euro). Die Nachfrage nach Sparbüchern war sehr groß. Bereits zwölf Jahre nach der Gründung konnte der zehntausendste Sparer begrüßt werden. Die Arbeit wurde in der Gründungsphase ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeitern unentgeltlich erledigt. Mit Zunahme des Einlagen- und des Darlehensgeschäfts wurden auch bezahlte Kräfte angestellt. 1880 waren sieben Beamte und zwei Diener beschäftigt. An oberster Stelle stand die Sicherheit der Spareinlagen. Deshalb gab es nur durch Liegenschaften bzw. hinterlegte Staatsanleihen besicherte Hypothekar und Lombardkredite. Der Bedarf war viel höher als das Angebot. Die Sparkasse bemühte sich, bei der Kreditvergabe besonders die kleinen Gewerbetreibenden zu unterstützen. In diesem Haus blieb die Sparkasse bis zum Neubau des 1960 eröffneten Sparkassengebäudes in der Neunkirchner Straße 4, dem heutigen Standort.

Festkonzert_im_Sparkassensaal

ENTSTEHUNG DES KAISER-FRANZJOSEPH-SAALS


In den Jahren nach dem Kauf durch die Wiener Neustädter Sparkasse 1892 wurden die Gebäude dem neuen Zweck entsprechend adaptiert und zum Teil als Amtsräume der Sparkasse, zum Teil als Wohnungen eingerichtet. Nach Einstellung des Fabrikbetriebes im selben Jahr fasste der Sparkassenverein den löblichen Entschluss, die alte Jesuitenkirche fachgerecht zu restaurieren und in Zukunft als Festsaal zu verwenden. Diese Umgestaltung sollte ohne den alten Baucharakter störende Veränderung erfolgen. An der Stirnwand des ganz in Weiß und Gold gehaltenen Festsaales prangt bis heute ein Kolossalgemälde des Malers Peregrin von Gastgeb, das den Kaiser Franz Joseph mit ihm huldigenden Untertanen darstellt. Der sogenannte „Kaiser Franz Joseph – Saal“ wurde am 2. Dezember 1898 seiner Bestimmung übergeben und bildete einen Beitrag der Wiener Neustädter Sparkasse zum 50jährigen Regierungsjubiläum des Monarchen.
Ball im Sparkassensaal

NUTZUNG UND FREQUENZ


Es würde hier den Rahmen sprengen, wollte man alle Veranstaltungsbereiche lückenlos aufzählen, bloß einige aus den letzten Jahren seien genannt: Ärztekongresse, Neujahrskonzerte, Empfänge und Tagungen der Kammern, Sitzungen des Ausstellungsvereins, Veranstaltungen der Charityclubs Rotary, Lions und Soroptimist, Hochzeits- und Berufsinformations-Messen, Sponsionen und Diplomfeiern, Weihnachtsfeiern, Geburtstagsfeste und Firmenjubiläen, vor allem auch Konzerte, wie die der NÖ Tonkünstler, Modeschauen und Ballveranstaltungen der Schulen, der Stadt oder der Wirtschaft. Waren es nicht rauschende Ballnächte, die den Besuchern in Erinnerung bleiben werden? Das Flair des Sparkassensaals hat alle immer wieder bezaubert und vielen Absolventen und Schülern von höheren Schulen waren und sind sie ganz besondere Erlebnisse.

Balleroeffnung mit Karl Resnicek (rechts)

DIE ERSTEN SCHRITTE IN DIE GESELLSCHAFT


Ein Tanzlehrer, der sehr vielen Wiener Neustädterinnen und Neustädtern in lebendiger Erinnerung geblieben ist, war der Inhaber der seinerzeit einzigen Tanzschule der Stadt: Karl Resnicek. Vor allem den Mädchen und Burschen der höheren Schulen, die in den 50er, 60er und 70er Jahren bei ihm die Grundbegriffe und - schritte des Gesellschaftstanzes erlernen durften, schwelgen noch heute in vielen Geschichten und „Geschichterln“ von der damaligen Tanzkurszeit bei „ihrem Reserl“. In seiner unnachahmlichen Elegance und der typisch nasalen Stimme, mit der er seinen Schützlingen Anweisungen erteilte, hat er ihnen nicht nur Walzer, Foxtrott und Tango, sondern vor allem auch gutes Benehmen beigebracht. Ein besonderer Höhepunkt für all seine Schüler - der erste Ball im Sparkassensaal: Die Polonaise - unvergessene Augenblicke für die Eleven und deren Eltern, die prüfend von den Balkonlogen alles genau beobachteten und dabei auch mächtig stolz auf ihre Söhne und Töchter herabblickten. Mitternachtsquadrille, Jägermarsch in schon gelösterer Stimmung - alles unter der Regie des honorigen Tanzmeisters. Er hatte ja als junger Mann in hohen und höchsten Kreisen (vor allem beim exilierten russischen Adel) an der Côte Azur seine ersten Tanzlehrer-Erfahrungen auf dem glatten Parkett gemacht und dabei auch sein erstes Geld verdient.